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18. Januar 2011: Wir nehmen Abschied

Die Gemeinde deutschsprachiger Emigranten ist wieder um zwei Mitglieder kleiner und auch ärmer geworden:

Bereits  am 11. November 2011 starb unser Ehrenmitglied Ilana Shmueli in Jerusalem.

Vor zwei Tagen meldete seine Familie, daß unser ehemaliges, langjähriges Mitglied Fred Friedmann am 6. Januar in London verstorben ist.



14. Januar 2011: Happy Birthday, Guy Stern

Unser jahrelanges Mitglied und Vorstandsmitglied Guy Stern feiert heute seinen 90. Geburtstag.

Geboren 1922 in Hildesheim als Günther Stern. Emigrierte 1937 mit Hilfe eines Onkels aus St. Louis und des amerikanischen Konsuls in Hamburg als einziges Mitglied seiner fünfköpfigen Familie in die USA. Alle Bemühungen, seine Familie in die USA nachzuholen, scheiterten. Sterns Eltern und Geschwister wurden deportiert und starben im Warschauer Getto.

Ab 1940 studierte Stern zunächst Romanistik, später Germanistik. 1942 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde aber erst später eingezogen. 1944 landete er drei Tage nach Invasionsbeginn mit den sogenannten Ritchie Boys, einer überwiegend aus Emigranten gebildeten Spezialeinheit des Militärnachrichtendienstes, in der Normandie und verhörte bis Kriegsende deutsche Kriegsgefangene und Überläufer. Er erhielt dafür den Bronze Star.

Nach dem Krieg nahm er sein Studium wieder auf, machte 1948 seinen B. A. in Romanistik, 1950 den M. A. in Germanistik, 1953 folgte die Promotion. Nach Lehrtätigkeiten an der Columbia University New York City wurde er 1963 Professor und Abteilungschef für deutsche Sprache und Literatur an der University of Cincinnati, danach University Dean, ab 1975 an der University of Maryland. 1978 folgte die Berufung an die Wayne State University in Detroit, wo er ab 1981 Distinguished Professor für Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte war. Gastprofessuren führten ihn an die Universitäten Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main (1993), Leipzig (1997), Potsdam (1998) und München.

Er ist der Direktor eines Instituts des Holocaust-Museums in Detroit sowie einer der Mitbegründer der Lessing Society, deren Präsident er von 1975 bis 1977 war. Als Autor und Herausgeber veröffentlichte er zahlreiche Bücher und Sammelwerke zur deutschen Literaturgeschichte, insbesondere zur Emigranten- und Immigrantenliteratur. 1988, bei der Enthüllung des Erinnerungsdenkmals am ehemaligen Standort der zerstörten Hildesheimer Synagoge am Lappenberg, trug er eine Ansprache bei. 1998 hielt er zum sechzigsten Jahrestag der Reichspogromnacht im Bonner Bundestag einen Vortrag.

Stern erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1987) und die Goethe-Medaille (1989).

Wir wünschen Dir, lieber Guy, von Herzen alles Gute und bis 120!




Ralph Giordano

15. Dezember 2011: Mein politisches Testament

Der folgende Artikel unseres Ehrenmitglieds Ralph Giordano wurde am 15. Dezember 2011 im Kölner Stadtanzeiger abgedruckt. Wir veröffentlichen ihn auf unserer Website freundlicher Genehmigung des Autors:

Da mordet sich quasi spazierengehenderweise eine Nazi-Gang mit Hintermännern dreizehn Jahre lang quer durch Deutschland, ohne dass sie und ihr Netzwerk auffällig werden. Als die blutige Strecke und ihre Verzweiflungen dann endlich entdeckt werden, fällt die Bundesrepublik aus allen Wolken ihrer gehüteten Blindheit. Zwei spontane Fragen: Wo, um Himmels willen, waren die V-Leute, die herhalten müssen für die legale Fortexistenz der NPD?

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Günter Kunert

10. Dezember 2011: Joyeux Anniversaire, Monsieur Troller!

In einer Zeit, die längst vergangen ist, wie es in der Dreigroschenoper heißt, entdeckten die Deutschen die Welt via Fernsehen. Einer, der den Daheimbleibenden ein Fenster in die Welt öffnete, war Georg Stefan Troller. Seine Berichte aus Paris, wo er auch lebte, waren mehr als bebilderte Reiseempfehlungen. Der Zuschauer erfuhr etwas über Land und Leute, über Politik und Kunst: Troller öffnete ihm nicht bloß geographisch den Horizont. Er, Troller, hat Schule gemacht und aus simplem Landeskundeunterricht spannende Geschichten und ganz nebenbei unser Wissen und unsere Weltsicht erweitert. Er gehörte zu den seltenen Berichterstattern und Autoren, die ihrer Vermittlerrolle mehr als gerecht wurden. Jetzt ist er neunzig Jahre alt geworden, ein biblisches Alter, wie man früher zu sagen pflegte, ein Leben, für das wir, der PEN-Club deutschsprachiger Autoren im Ausland ihm, unserem Mitglied Georg Stefan Troller, eine glückliche und gesunde Fortsetzung wünschen – und wie man gewiss auch in Wien zu sagen pflegte: bis Einhundertzwanzig...



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