logo

Home


Wir über uns


P.E.N. Charta


Writers in Prison


Satzung


Mitglieder


Vorstand


Texte


PENinfo


News Forum Förderverein Links Kontakt Impressum

P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland


Zur Diskussion:

Der Indizierungsantrag gegen "Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel"
von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke


Diskussionsbeitrag von Fred Viebahn


Erstens bin ich erfreut, daß wir in unserem PEN endlich wieder eine literaturbezogene Diskussion führen, mit sachlichen Meinungsverschiedenheiten, statt unsere Zeit auf Verbandsquerelen verschwenden zu müssen.

Zweitens, zum Indizierungsversuch: Dem, finde ich, sollten wir prinzipiell die Stirn bieten — ob nun durch eine Presseerklärung oder sonstwie, sei dahingestellt. (Ich wäre für eine ausgewogene Presseerklärung.) Es geht doch nicht darum, dieses Buch an sich zu verteidigen, sondern bürokratische Zensur, Unterdrückung der Meinungs– und Äußerungsfreiheit und staatliche Eingriffe in die Kunst abzuwehren. So wie ich vehement gegen jeden Zensurversuch bei den dänischen Mohammed–Karikaturen war, bin ich entschieden gegen jeden Zensurversuch gegen dieses Buch und finde, wir als Autorenvereinigung, die für die (ungeteilte!!!) Freiheit des Wortes stehen sollte, sollte dies öffentlich zum Ausdruck bringen. Dabei muß natürlich auch unseren unterschiedlichen weltanschaulichen und religiösen Einstellungen insofern Rechnung getragen werden, daß eine öffentliche Erklärung unsererseits nicht als inhaltliche Identifikation mit dem Buch verstanden werden kann. (Auf die historisch verständliche deutsche und österreichische Sonderheit der Strafbarkeit nazistischer Meinungsäußerungen — bei mir in den USA undenkbar — will ich hier nicht eingehen.)

Drittens, zum Buch selber: Obwohl ich mich als humanistischen Atheisten (oder atheistischen Humanisten) bezeichnen würde, pflichte ich dem Zeit-Rezensenten weitgehend bei. Antisemitisch ist das Buch nicht, anti–monotheistisch (auch allgemein anti–theistisch) ja. Im Gegensatz zu meinem Freund Guy Stern kann ich in der Darstellung des Rabbiners keine Ähnlichkeit zu Stürmer–Stereotypen erkennen, im Gegenteil, es hat mir den Anschein, als hätte sich der Zeichner bemüht, gerade das zu vermeiden. In der Moschee–Sequenz vermisse ich allerdings den Hinweis, daß Mosleme auch nicht gerade Ferkel–Freunde sind — da haben es sich die Autoren (wie auch an anderen Stellen) zu bequem gemacht, denn ein Schwein wäre doch schon von Anfang an von den Stufen der Moschee geknüppelt oder gesteinigt worden. Ansonsten finde ich das Buch streckenweise recht witzig, und als Antidote gegen die Übermacht der organisierten Religionen im öffentlichen Leben halte ich es mit seinen karikaturistischen Übertreibungen für durchaus angebracht und angemessen — wenn mich auch wie den Zeit–Renzensenten die aufdringliche Ideologisiererei am Schluß stört, vor allem mit dem überflüssigen FKK–Bild. Aber wie gesagt, es geht hier nicht um persönliche Einstellungen zu dieser oder jener Religion, es geht hier nur ums Prinzip, daß staatlichen Zensurbemühungen — noch dazu unter solch fadenscheinigen Vorwänden wie in diesem Fall des Antisemitismus, hinter denen sich meiner Meinung nach wahrscheinlich kirchenhörige Bürokraten gut verschanzt glauben — gewehrt werden sollte.

Zum Seitenanfang