P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
Bleibe im Land und nähre Dich redlich…
ein Bericht von Peter Finkelgruen
„Bleibe im Land und nähre Dich redlich…” Dies schien mir, nach den Eindrücken und Erfahrungen der letztjährigen Tagung in Luxemburg, das unausgesprochene Motto der diesjährigen Tagung des deutschen PEN Zentrums in Speyer zu sein. Ich kam nicht umhin, eine ganze Reihe von Unterschieden zu registrieren.
Beginnend mit der Begrüßung durch den Bürgermeisters der Stadt Speyer, Werner Schineller, den man im historischen Ratsaal des Speyerer Rathauses sehen und sogar hören konnte und die am darauffolgenden Abend vor Autoren und Gästen gehaltene Rede der Kultusministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen. Wir wurden alles in allem mit etwas mehr Beachtung bedacht als letztes Jahr in Luxemburg, es gab sogar Kaffee und Kuchen.
Doch am eindrucksvollsten war für mich die am Eröffnungsabend stattfindende Veranstaltung „Was ein paar Worte kosten können”, die von Katja Behrens, der Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragten des deutschen PEN Zentrums organisiert worden war und moderiert wurde. Katja Behrens führte Gespräche mit drei Autorinnen, die wegen ihrer Arbeit verfolgt wurden oder immer noch werden, Irina L. Scherbakova von der Organisation „Memorial” hielt einen eindringlichen Vortrag über den tatsächlichen Stellenwert von Menschenrechten in Rußland, was dann anhand eines Gespräches mit Mainat Kourbanova aus Tschetschenien konkretisiert wurde.
Auch das Gespräch mit Fahimeh Farsaie aus dem Iran vermittelte den Zuhörern eine anschauliche Vorstellung davon, wie riskant es sein kann, das zu schreiben, was man denkt. Amarbek Dimaev aus Tschetschenien, der den Abend mit seinem Akkordeon musikalisch untermalte und ihm zauberhafte Melodien entlockte, erntete stürmischen Applaus und es war bedrückend zu erfahren, daß dieser Mann nun schon seit Jahren in einem Heim für Asylbewerber leben muß.
Bei dieser ebenso wie bei anderen Veranstaltungen, zum Beispiel der Autoren-Präsentation, gab es einen weiteren, wesentlichen Unterschied zu Luxemburg: Die Anwesenheit eines interessierten Publikums, insbesondere aus der jungen Generation.
Über die „Routinearbeit” der Vollversammlung will ich hier nur berichten, daß unser Beschluss in Sachen Writers in Prison, der bei unserer MV einstimmig verabschiedet wurde, in Speyer als Antrag des Präsidiums vorgelegt und von der Vollversammlung bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen angenommen wurde. (Der Vorstand und das Präsidium den PEN Zentrums der Autoren im Exil deutschsprachiger Länder haben uns inzwischen wissen lassen, daß auch sie sich unsere Beschluß und den Antrag an die Tagung in Wien 2009 zu eigen machen werden).
Sehr aufschlußreich und von besonderem Interesse auch für unser Zentrum war, im Rahmen eines Berichts über die soziale Lage der Autoren, auch der Vortrag des Justitiars der VG Wort. Unser Vorstandsmitglied Uwe Friesel, der ebenfalls in Speyer war und ein durchaus erfahrener Kenner der Materie ist, wird über diesen Punkt, so denke ich, getrennt berichten – zum Beispiel auch darüber, daß wir unter bestimmten Umständen durchaus auch für die Textbeiträge auf unserer Webseite Anmeldungen bei de VG Wort machen können, wie überhaupt das Internet bei der VG Wort jetzt auch einbezogen wird, unter bestimmten Bedingungen.
Ein anderes wichtiges Thema in diesem Zusammenhang, mit dem unser Vorstand sich in allernächster Zeit beschäftigen sollte, sind sogenannte „verwaiste Werke”. Ca. 77% der deutschen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts gehört in diese Kategorie, darunter zahlreiche Werke von „verbrannten” Autoren und von Mitgliedern unseres Zentrums, die ohne Erben verstarben. Wir werden uns mit dem Thema beschäftigen und unseren Mitgliedern berichten.
Am Samstag stellte ein offizieller Vertreter der Stadt Görlitz seine Stadt vor und erweckte bei mir durchaus grosses Interesse, diese Stadt einmal näher kennenzulernen. Nächstes Jahr wird die Mitgliederversammlung des deutschen PEN dort stattfinden, unter dem Motto: "Lesen bis der PEN kommt".
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