P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
Stellungnahme des PEN Zentrums der Schriftsteller
im Exil deutschsprachiger Länder
Im Namen unseres ebenfalls neu gewählten Präsidiums möchte ich unseren
Kolleginnen und Kollegen des PEN-Zentrums deutschsprachiger Länder im
Ausland aus Anlass ihrer Stellungnahme zur Erklärung des internationalen PEN
vom 17. Oktober eine wenn auch verspätete, so doch solidarische Nachricht
zukommen lassen.
Das Zentrum Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder teilt die Sorge
über einen Bestandteil der Erklärung des Internationalen PEN vom 17. Oktober
im Hinblick auf die Entscheidung des französischen Parlaments, die Leugnung
des Genozids an den Armeniern strafrechtlich zu sanktionieren. In dem
letzten Absatz dieser Erklärung wurde die Leugnung des Holocaust in
Anführungszeichen gesetzt: "Holocaust denial".
Der Exil-PEN, der sich seit über fünfzig Jahren für die Opfer des
Nationalsozialismus und des Kommunismus einsetzt und einen wirkungsvollen
Beitrag zur Stärkung der demokratischen Ordnung in Deutschland leistet,
teilt die Auffassung des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland,
dass eine solche Zeichensetzung bereits als Signal für eine Leugnung des
Holocaust und als mögliche Unterstützung rechtsradikaler Tendenzen in Europa
gewertet werden könnte. Unsere Beunruhigung über diese Ausdrucksform von
Meinungsfreiheit ist um so größer, als in einer wachsenden Zahl von Ländern
auf unserem Kontinent rechtsradikaler Gesinnungsterror zur Untergrabung
demokratischer Grundrechte führt.
Aus diesem Grund betrachten auch wir diesen Teil der Erklärung des
internationalen P.E.N. nicht nur als eine Schwächung der legitimen Abwehr
neonazistischer Umtriebe, sondern auch als eine tendentielle Infragestellung
historischer Wahrheiten, die von notorischen Verleumdern des Massenmords an
jüdischen Bürgern und Angehörigen anderer Nationen und Ethnien als
willkommene Unterstützung ihrer demagogischen Kampagnen gewertet werden.
Das Zentrum Schriftstellerim Exil deutschsprachiger Länder schließt sich der
Stellungnahme des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland an und
bittet das Präsidium des Internationalen PEN seine Erklärung nach Prüfung
unserer Stellungnahmen zu korrigieren.
Mit kollegialen Grüßen
Prof. Dr. Wolfgang Schlott (Präsident)
in Absprache mit Dr. Boris Schapiro
(Vize-Präsident)
Bremen / Berlin, am 7. Dezember 2006.
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