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P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

Sigmar Schollak

Sigmar Schollak wurde am 2. Mai 1930 in Berlin geboren. Sein Vater war Kaufmann, seine Mutter Näherin. Durch den Umstand, daß der Vater, Sigismund Schollak, jüdischen Glaubens war, lebte die Familie während der Nazi-Zeit unter ständiger Schikane und Bedrohung. Der Vater wurde zu schwerster Zwangsarbeit auf dem Bau unter Aufsicht des SSD gezwungen.

Von 1944 bis 1945 absolvierte Sigmar Schollak eine Ausbildung in der Bekleidungsindustrie, brach diese jedoch ab und nahm kurz darauf Musikunterricht. Später besuchte er das Konservatorium Klindworth-Scharwenka und ab 1950 die Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg.

Seit 1953 trat Sigmar Schollak als Musiker in Tanz- und Schauorchestern auf, gleichzeitig betätigte er sich als freier Mitarbeiter bei Zeitschriften wie dem "Eulenspiegel" und war daneben noch für die Feuilletonabteilung des Berliner Rundfunks tätig. Schollak ist darüber hinaus Autor von Hörspielen und Kinderhörspielen. Die sich zum Nebenberuf entwickelnde Tätigkeit in der Musikbranche wurde 1960 zugunsten der Tätigkeit als Autor aufgegeben.

Schollak, der aufgrund der politischen Verfolgung und Flucht seiner Eltern nach West-Berlin nie zu einem Literaturstudium in Ost-Berlin zugelassen worden war, gab wegen des Baus der Mauer die Mitarbeit an Zeitschriften und Rundfunk nach 1961 auf. Nach der Ablehnung der Druckgenehmigung zweier Bücher durch das Kultusministerium nahm Schollak Verbindung zum KINDERBUCHVERLAG auf, der zu einem Teil auch als Jugendbuchverlag fungierte. Für diesen Verlag war er seit 1967 über lange Zeit (bis 1979) als freier Schriftsteller tätig.

Ende 1980 stellte der in Berlin-Ost lebende Schollak in Nachfolge der Biermann-Ausbürgerung und des Ausschlusses von Kollegen aus dem DDR-Schriftstellerverband (1979) den Ausreiseantrag nach West-Berlin. Die Bewilligung erfolgte nach längeren Schikanen im Herbst 1982.

1982 erhielt Schollak ein einjähriges Stipendium des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt. An Schollaks neuem Wohnsitz entstanden mehrere Bücher, in denen Schollak auch seinem Hang zur Satire nachkommen konnte. Ferner entstanden Aphorismen und eine größere Anzahl von Rundfunkbeiträgen insbesondere für den einstigen RIAS, aber auch für mehrere westdeutsche Sender. 1989 erhielt Schollak ein weiteres einjähriges Stipendium der Stiftung Preußische Seehandlung in Berlin.

1992 gründete Schollak den Autorenkreis der Bundesrepublik, welcher jährlich den Hans-Sahl-Preis verleiht. Schollak war bis 1997 Mitglied und Vorsitzender des Autorenkreises.

Sigmar Schollak ist seit 1967 zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, lebt und arbeitet in Berlin.


Veröffentlichungen

Mord in Detroit, Kinderbuchverlag, 1969
Der Davidsbündler, Kinderbuchverlag, 1971
Enkel der Sklaven, Kinderbuchverlag, 1971
Der Gejagte, Kinderbuchverlag, 1972
Getötete Angst, Kinderbuchverlag, 1973
Sturm auf Harpers Ferry, Kinderbuchverlag, 1975
Thaddäus und der verhexte Tag, Kinderbuchverlag, 1976
Das Mädchen aus Harrys Straße, Kinderbuchverlag 1980
Der Neue aus der 106, Kinderbuchverlag, 1980
Des Teufels Fest, Berliner Handpresse, 1982
Ausflug in Paradiese, Prosa, Arani Verlag, 1989
Kallosch, Roman, Weidler Verlag, 1995
Tätowierungen, Aphorismen, Weidler Verlag, 1997
Der Kuss - ein Lippenbekenntnis, Aphorismen, Donath Verlag, Bremen, 2007