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Fritz Stern

Fritz Stern wurde am 2. Februar 1926 in Breslau geboren. Sowohl sein Vater Rudolf Stern als auch seine Großväter waren Ärzte, während seine Mutter Käthe Brieger promovierte Physikerin war und sich später als Mathematik- Didaktikerin einen Namen machte. Stern besuchte das Maria- Magdalenen-Gymnasium in Breslau. Im September 1938 verließ die Familie wegen ihrer jüdischen Abstammung Deutschland und wanderte in die USA aus. Dort studierte Stern an der Columbia University in New York City, wo er 1946 seinen Bachelor- und 1948 den Master- Abschluß erhielt und 1953 bei Jacques Barzun zum Ph. D. promoviert wurde. Kurz darauf wurde er dort Assistant Professor, 1963 ordentlicher Professor, 1967 Seth-Low-Professor. Mit Unterbrechungen für Gastprofessuren und seine Tätigkeit am renommierten Institute for Advanced Study in Princeton 1969/70 blieb er bis zur Emeritierung 1997 in dieser Position.

In den USA und in Deutschland ist Stern weithin bekannt und gilt gemeinhin als “der bedeutendste US-amerikanische Historiker deutscher Geschichte”. Stern Forschungsschwerpunkte sind Geschichte der Geschichtsschreibung und kulturelle und politische Geschichte des modernen Europa, insbesondere Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Er hat sich häufig auf die Entwicklung und den Aufstieg des Nationalsozialismus sowie seine Eigenschaften konzentriert. So promovierte er 1953 mit einer Arbeit über Kulturpessimismus als politische Gefahr, einer Auseinandersetzung mit Vorläufern des Nationalsozialismus anhand kulturpessimistischer Literatur, nämlich Paul de Lagardes Deutsche Schriften, Julius Langbehns Rembrandt als Erzieher und Arthur Moeller van den Brucks Das Dritte Reich.

In Deutschland bereits seit 1954 mehrfach als Gastprofessor (Freie Universität Berlin) tätig, hielt Fritz Stern 1987 als erster ausländischer Staatsbürger im Deutschen Bundestag die Festrede zum 17. Juni, wobei er alle Erwartungen auf eine Wiedervereinigungs- Rhetorik unterlief: Der Arbeiteraufstand 1953 habe allein die bürgerlichen Freiheitsrechte zum Ziel gehabt. Gleichwohl überzeugte er 1990 Margaret Thatcher, daß man vor einem wiedererstarkenden Deutschland keine Angst zu haben brauche. Daraus sprach sein Vertrauen in die endgültige Westbindung der Bundesrepublik, für die er selbst die Formel von der “zweiten Chance” fand. 1993 schließlich fungierte er für ein Jahr als Berater des amerikanischen Botschafters Richard Holbrooke in Bonn. Im Sommersemester 2000 war Fritz Stern erster Inhaber der Johannes-Gutenberg-Stiftungsprofessur an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Als Gastprofessor des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts hielt er im Sommersemester 2007 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mehrere öffentliche Vorträge, die im Sommer 2008 unter dem Titel Der Westen im 20. Jahrhundert veröffentlicht wurden.

Stern ist in zweiter Ehe mit der US-Verlegerin (Farrar, Straus and Giroux, Verlagsgruppe Holtzbrinck) und Autorin Elisabeth Sifton verheiratet, Tochter des Theologen Reinhold Niebuhr, dessen Eltern aus Deutschland in die USA eingewandert waren. Aus erster Ehe hat Stern einen Sohn und eine Tochter.

Publikationen: Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland. Bern: Scherz, 1963. (The Politics of Cultural Despair. A Study in the Rise of the Germanic Ideology. Berkeley, CA: University of California Press, 1961).
(Hrsg.): Geschichte und Geschichtsschreibung. Möglichkeiten, Aufgaben, Methoden. Texte von Voltaire bis zur Gegenwart. München: Piper, 1966. (The Varieties of History. From Voltaire to the Present. New York: Meridian Books, 1956).

Das Scheitern illiberaler Politik. Studien zur politischen Kultur Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main: Propyläen, 1974. (The Failure of Illiberalism. Essays on the Political Culture of Modern Germany. New York: A. Knopf, 1972).

Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder. Frankfurt am Main: Ullstein, 1978. (Gold and Iron. Bismarck, Bleichröder, and the building of the German empire. New York: A. Knopf, 1977).

Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht. Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Berlin: Siedler, 1988. (Dreams and Delusions. The Drama of German History. New York: A. Knopf, 1987).

Verspielte Größe. Essays zur deutschen Geschichte. München: C. H. Beck, 1996.

Das feine Schweigen. Historische Essays. München: C. H. Beck, 1999.

Fünf Deutschland und ein Leben. Erinnerungen. München: C. H. Beck, 2007. (Five Germanys I Have Known. New York: Farrar, Straus and Giroux, 2006).

Der Westen im 20. Jahrhundert. Selbstzerstörung, Wiederaufbau, Gefährdungen der Gegenwart. Göttingen: Wallstein, 2008.

Auszeichnungen: 1999 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
2004 Leo-Baeck-Medaille
2002 Ehrendoktorwürde der Universität Breslau
2005 Deutscher Nationalpreis
2006 Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
2007 Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin
2008 Internationaler Brückepreis