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„Ein leises Unbehagen in der Magengrube“
Rede zum 80. Geburtstag von Edgar Hilsenrath


Von
Marko Martin


Loben ist schwer, sehr schwer — und manchmal sogar etwas unangemessen. Der sich spreizende Reigen der Adjektive beginnt, verselbständigt sich, und am Schluß bleibt von der konstatierten „Eindringlichkeit der Literatur“ überhaupt nicht Eindringliches mehr.

Edgar Hilsenrath — geboren am 2. April 1926 in Leipzig, 1941 in das Ghetto von Moghilev-Podolsk getrieben und nach seiner Befreiung durch die Rote Armee von eben dieser beinahe erneut interniert, ehe er nach einer langjährigen Odyssee über Palästina, Frankreich und New York als Schriftsteller 1975 nach Deutschland zurückkehrte — hat derlei Lobreden nicht nötig, wenngleich all die ihm zugedachten Alfred Döblin-, Jakob Wassermann-, Hans Sahl- und Lion-Feuchtwanger-Preise womöglich ganz geschickt die Tatsache verbergen, daß er hierzulande eben doch ein Solitär geblieben ist.

Was aber ist „eindringlich“? Es ist das, was im „Märchen vom letzten Gedanken“ Wartan Khatisian, armenischer Überlebender des ersten Genozids im 20. Jahrhundert und nun 1943 im besetzten Polen verhaftet, seinen polnisch-jüdischen Leidensgenossen im Todeszug nach Auschwitz erzählt:



Und Wartan erzählte ihnen das Märchen von Max und Moritz. Als er geendet hatte, waren die Juden ruhig. Einige lachten sogar. Einer von ihnen sagte: Es ist wirklich nur ein Märchen. Denn so etwas gibt es doch nicht.

— Aus Max und Moritz wurde Brot gemacht, sagte Wartan. Der Bäckermeister hat die beiden einfach zu Teig verarbeitet und dann in den Ofen gesteckt.

— Ein Märchen, sagten die Juden. Nur ein Märchen.

— Natürlich ist es nur ein Märchen, sagte Wartan.

— Und wer hat es geschrieben?

— Ein Deutscher namens Wilhelm Busch.

— Ein deutsches Märchen, sagten die Juden.

— Diesem Wilhelm Busch sollten wir eines Tages ein Denkmal setzen, sagte einer der Juden, denn er hat uns überzeugt, daß so was bei den Deutschen nur im Märchen vorkommt.

— Wahrlich, sagte ein anderer, der wie ein Rabbi aussah. Dieser Wilhelm Busch sollte der Juden liebster deutscher Dichter sein, denn er hat uns die Angst vor den Deutschen genommen. Wartan mußte ihnen nochmals die Geschichte von Max und Moritz erzählen und wie das mit dem Brotbacken war. Und die Juden hörten ihm zu, und als er geendet hatte, fingen sie herzlich zu lachen an. Sie hatten keine Angst mehr. Sie waren beruhigt.

Dann wurden die Türen aufgerissen.


Hier, in dieser ebenso zärtlichen wie brutalen Zurückweisung illusionärer, ja tödlicher Idyllen, haben wir pars pro toto den Hilsenrath-Stil, einmalig in der deutschen Literatur. Die Poesie sucht den Schrecken zu bannen, indem sie ihn mit geradezu atemberaubender Präzision beschreibt Wie ging, wie geht Deutschland mit den Erfahrungen nicht nur dieses Shoah-Überlebenden um?

Zwei inadäquate Reaktionen seien zumindest kurz erwähnt. Da war einerseits das „Beschweigen“ (Hermann Lübbe) in den fünfziger und frühen sechziger Jahren, dessen vorgeblich skrupulöses Motiv — „all das Grauen jener zwölf Jahre“ sei ja letztlich doch nicht darstellbar — recht konsequent im Unwillen kulminierte, klar von Tätern und Opfern zu sprechen und individuelle Verantwortung aufzuzeigen.

Und wenn dann schon von Opfern die Rede war, dann durfte es sich nicht um fehlbare Menschen in ihrer Einmaligkeit handeln, sondern um ein quasi zeitentrücktes, romantisch-homogenes Leidenskollektiv — einer der Gründe, weshalb Hilsenraths 1964 erschienener Ghetto-Roman „Nacht“ dem sogenannten guten Geschmack der damaligen politisch-ästhetischen Korrektheit zuwiderlaufen mußte.

Nach dem Beschweigen aber kam jenes bis heute andauernde Plappern, das Sich-Heranschmeißen an die Opfer für den eigenen, durch und durch egoistischen Distinktionsgewinn, dazu all die forschen Reden von „Der Schoß ist fruchtbar noch“ bis „Wir haben aus der Geschichte“ gelernt. Hilsenraths Romane, Erzählungen und Grotesken lesend, wiederlesend, frage ich mich, ob dieses „Wir“ tatsächlich aus der Geschichte gelernt hat, ob die bundesrepublikanischen Max-und Moritz-Leser nun erwachsen geworden sind oder nicht.

Zu sprechen wäre nämlich von einem „Wir“, das just in dem Moment, als sich Geschichte zu wiederholen drohte, mit vollem Bewußtsein versagte. Erinnern wir uns noch an jene Januartage 1991, als Saddam Hussein drohte, mit Giftgas (hauptsächlich aus Deutschland stammendem Giftgas) “Israel in ein einziges Krematorium zu verwandeln“?

Als Zeichen ihres blütenweißen Ich-hab-damit-nichts-zu-tun-Gewissens hängten darauf nicht wenige Deutsche weiße Bettlaken aus den Fenstern und protestierten wütend — jedoch nicht gegen Saddam, sondern gegen die Lieferung von Patriot-Abwehrraketen, die es dem jüdischen Staat ermöglichen sollten, sich wenigstens halbwegs gegen die totale Vernichtungsdrohung zu wappnen.

Das war der Test, ob man wirklich aus der Geschichte gelernt hatte, und unsere netten Zeitgenossen, die bei Klezmer-Gefiedel gemeinhin ganz schwach werden und allein bei der Nennung des Namens Anne Frank gern feuchte Augen bekommen, all diese furchtbar friedfertigen Narzißten hatten beschlossen, ihn nicht zu bestehen. Nichts davon ist vergessen. Und wie verhält es sich mit „Der Schoß ist fruchtbar noch“?

Nun, die Worte des nach der Atombombe strebenden iranischen Präsidenten müßten noch geläufig sein, obgleich eine vage angedachte, von allen Parteien des deutschen Bundestages getragene Demonstration gegen jenen erneut eindeutig angekündigten Holocaust bislang noch nicht statt gefunden hat — es fehle, so ist zu hören, „noch ein weiterer konkreter Anlaß“.

Eine bittere, höhnisch-schrille Pointe, wie sie auch in Edgar Hilsenraths Büchern stehen könnte, vielleicht sogar in „Der Nazi & der Friseur“, der, beinahe überflüssig, es zu erwähnen, bei seinem Erscheinen 1977 in Deutschland, ebenfalls mit glacébehandschuhter Skepsis aufgenommen wurde.

Max Schulz, Protagonist dieses Romans, ist nämlich keineswegs ein Ignorant — im Gegenteil, er interessiert sich sehr für Juden. Um die Bedeutung jener Beschneidung zu verstehen, der man seinen gleichaltrigen Nachbarn Itzig Finkelstein unterzog, greift er Jahre später sogar zu einem Lexikon, wo er die Brith Mila nicht nur als einen Bund zwischen Gott und dem Volk Israel bezeichnet, sondern auch interpretiert findet als quasi symbolische Handlung, um Triebe und Leidenschaften zu zügeln.

So etwas findet Max Schulz toll. Max Schulz mag im übrigen auch keine Kriege. Zumindest nicht mehr, seit durch jene gigantische Kraftanstrengung von alliierten Truppen, Bomben und Raketen den Nazis endlich Einhalt geboten werden konnte. Denn Max Schulz gehörte zu ihnen: Ehemaliger SS-Oberscharführer, entdeckt er nun nach der totalen Niederlage der Seinen die Segnungen des Friedens. Das hat er übrigens mit seinem Volk gemeinsam, das, durch eben jenen Krieg am fortgesetzten Massenmorden eindringlich gehindert, noch ein halbes Jahrhundert später lärmen und auf Transparente kritzeln wird, daß Krieg „keine Lösung“ sei und eben darin die deutsche Lektion nach 1945 bestünde.

Im Jahre 1947 landet Max Schulz schließlich illegal in Palästina und wird, denn inzwischen hat er sich den Namen Itzig Finkelstein gekrallt, von den Aktivisten des Irgun beschützt, um nicht der englischen Kolonialmacht in die Hände zu fallen. Er lernt mit atemberaubender Schnelligkeit jiddisch und dazu jene Gesten, die auch heute bei Nicht-Juden als sehr schick und kosmopolitisch gelten, hochgezogene Schultern bei gleichzeitig vorgezeigten Handtellern etwa, ein „Nu“-Sagen, ein geflissentliches Einflechten von Mischpoche oder Chuzpe in die Partygespräche: Seht, wie toll das ist, spielerisch im Umgang mit alten Klischees, tolerant und den Juden gegenüber aufgeschlossen, die selbstverständlich unter unseren besten Freunden zu finden sind.

Leider aber ist Max Schulz ein Massenmörder, kaltblütiger Killer auch seines Nachbarn Itzig Finkelstein. Freilich ist er, inzwischen unter Identitätstausch und Mimikry siedelnd im Lande Israel, aus naheliegenden Gründen kein Antizionist — das hat er schon einmal einem großen Teil der europäischen Linken voraus.

(Wenn Sie jetzt eventuell in Versuchung geraten, unsägliche Polemik zu schreien, lesen Sie einfach die jenem Phänomen gewidmeten Bücher von Leon Poliakow, Arno Lustiger, Henryk Broder, Hannes Stein und Wolfgang Kraushaar oder hören Sie einmal, um es sozusagen O-Ton zu haben, auf das Geschwiemel von Drewermann, Sloterdijk oder Günter Grass, und schauen dazu nicht nur in die einschlägige „Nationalzeitung“, sondern auch in Postillen wie „Junge Welt“ oder „Neues Deutschland“, am besten, falls sie masochistisch sind, gleich morgen und ab da jeden Tag.)

In Jerusalem eröffnet Schulz erneut einen kleinen Frisiersalon und ist ansonsten ein friedlicher Zeitgenosse: Klippklapp, schnippschnapp. Bis dahin ist alles grotesk realistisch. Aber dann kommt diese irre Hoffnung, dieses Hilsenrathsche Bestehen auf dem Sich-Erinnern, das man nun jüdisch nennen könnte oder auch nicht, da es längst universell geworden ist: Immer wieder angemahnt von den Opfern und stets aufs Neue brutal oder auch rhetorisch elegant weggebogen von den Mitläufern und Tätern.

Du sollst Dich erinnern! Ich? Von wegen. Soll ich etwa meines Bruders Hüter sein? Wo sich Abel doch Kains Haß womöglich mutwillig zugezogen hat. Wo jede Medaille doch zwei Seiten hat. Wo damals doch damals war. Wo doch alles so kompliziert gewesen ist und man heute differenzieren müsse. Wo doch nicht alles schwarzweiß zu deuten sei, wo — aufgepaßt! — alttestamentarische Unerbittlichkeit nur neue Gräben aufreiße. Wo es zwar Unmassen erdrückender Dokumente gibt, aber eben — leider, leider — keine über die eigene Schuftigkeit.

Nazi-Täter konnten so mühelos in der frühen Bundesrepublik, aber auch — jene Akten bringen´s eben manchmal doch ans Licht — in der DDR reüssieren, ruandische Völkermörder geben sich in Brüssel als traumatisierte Tutsi aus, serbische Killer verwandeln sich wieder in harmlose Hausmeister, und SED-Funktionäre (nein, wir reden hier nicht einmal vom MfS und dubiosen IM´s, die man ja ohnehin nur ganz zufällig geführt habe), die bis 1989 nicht das geringste dabei fanden, einem Verbrecherstaat zu dienen, der die Judenmörder des Abu Nidal in brandenburgischen Stasi-Camps ausbildete und das Land Israel mit NS-geschulter Lüge und Häme nur so übergoß, nun, diese Leute sind, geläutert und plötzlich philosemitisch geworden — mitten unter uns. Auch hier, auch heute.

So weit, so voraussehbar. Und doch scheint Edgar Hilsenrath an einer einzigen Stelle zu irren. Weshalb nämlich sollte Max Schulz mit den Jahren dann doch Schuldgefühle entwickeln, weshalb beinahe täglich in den „Wald der sechs Millionen“ pilgern? Genaue Lektüre aber hilft: Der Massenmörder fühlt ja gar keine Schuld, er erbittet keine Vergebung, sondern hat ganz einfach, so larmoyant wie auftrumpfend, Angst, auf gut deutsch: Schiß. Er träumt und deliriert und mit diesem imaginären, unvergeßlichen Dialog endet „Der Nazi & der Friseur“ wie ein Paukenschlag:



„Wie seh ich aus?“

„So und so, Max. Schade, daß du dich nicht sehen kannst. Deine Froschaugen sind weit aufgerissen. Und auch dein Mund.“

„Ist das so?“

„Ja. Das ist so. Zu allerletzt, da stirbt ein Kerl wie du...mit ´ihrer´ Angst.“

„Wessen Angst?“

„Mit der Angst deiner Opfer, bevor sie starben.“

„Soll das die gerechte Strafe sein?“

„Nein.“


Dinge gibt es, die können nicht vergeben werden, nicht zuletzt deshalb, weil, wie Emmanuel Levinas sagt, „die Möglichkeit der grenzenlosen Vergebung zu grenzenlosem Bösen auffordert.“ Leider gibt es jedoch auch keine Strafe, die angemessen wäre. Nur die Wucht solcher Passagen, solcher Sätze. Immer wieder zu finden in den Romanen Edgar Hilsenraths, der mir bei einem unserer Gespräche einmal sagte, aber nein, er sei doch gar nicht religiös, woher denn.

Woher dann aber dieses Insistieren in seinen Büchern — fern jeder Rhetorik, fern jedes volkspädogischen Instant-Blablas — statt dessen integriert in eine packende Story (der Mann kann übrigens erzählen, das einem der Mund offen stehen bleibt), eingebunden in Geschichten wie jene von Max Schulz oder des Immigranten Jakob Bronsky, eingewebt in die unvergessliche Schtetl-Atmosphäre in „Jossel Wassermanns Heimkehr“, in die Ghetto-Hölle von „Nacht“ oder in das armenische „Märchen vom letzten Gedanken"? Kostprobe gefällig?



„Ich weiß, daß mein letzter Gedanke zurückfliegen wird in die Lücken der türkischen Geschichtsbücher. Und weil ich das weiß, werde ich friedlicher sterben als andere vor mir, die das nicht wußten.“

„Flüstern aber ist ansteckend“, sagte der Minister. „Das Flüstern der toten Armenier könnte über die Landesgrenzen dringen und überall gehört werden.“ „Das ist möglich.“

„Andere Flüsterstimmen könnten zu flüstern anfangen, auch die, die es nie gewagt haben, laut zu flüstern. Es würde ein großes Geflüster werden, wenn alle, die Opfer waren auf dieser Welt, sich plötzlich mit ihren geflüsterten Klagen melden. Die ganze Welt würde in ihrem Geflüster ersticken. Wo kämen wir da hin? Das darf nicht sein. So mancher von uns würde Bauchschmerzen kriegen, denn die Flüsterstimmen der Opfer stören die Verdauung.“


In „Jossel Wassermanns Heimkehr“ ist es schließlich der Wind, der zu flüstern beginnt, und da unser Jubilar kein entrückter Esoterik-Spießer ist, geht es hier keineswegs um irgendwelche diffus beseelte Natur, sondern erneut um eben jene Botschaft: Wir werden uns erinnern. Oder in den Worten eines frühen Kollegen Hilsenraths: “Schätze der Gesetzlosigkeit nützen nichts, aber Gerechtigkeit errettet vom Tode. Das Gedächtnis des Gerechten ist zum Segen, aber der Name der Gesetzlosen verwest.“ (Sprüche, Kapitel 10.)

Bestimmt muß man nicht religiös sein, um dieses immer wieder in den Staub getretene Prinzip hochzuhalten, freilich schadet es auch nicht, als Gewährsmann gerade jenen alten Donnergott vom Berge Sinai haben, der mit all seinen Regeln und Verboten schließlich auch das Gewissen in die Welt brachte – und tausende Jahre später einen massenmörderischen Hanswurst namens Adolf Hitler zum schnarrenden Toben: „Das Gewissen — diese jüdische Erfindung!“

Zum Abschluß vielleicht noch eine Bemerkung. Nach den oben erwähnten Jahrzehnten des Plapperns im Geschichtsdiskurs scheint sich inzwischen eine Art Ermattung abzuzeichnen: Alles gesagt, alles beschrieben, und um den Rest kümmert sich Guido Knopp. In solch einer Gestimmtheit, wo die forcierte Empathie wieder langsam ins ressentimentgesteuerte Unbehagen gleitet, muß mit Überraschungen gerechnet werden.

So war in einer der letzten Buchmessen-Beilagen einer Hamburger Wochenzeitung die Behauptung des Schriftstellers Günter Ohnemus zu lesen, Juden beschäftigten sich nun einmal gern mit ihrem Leid und seien blind gegenüber den Schmerzen der anderen. Ist das so? Unzählige Leser in aller Welt haben jedenfalls von der Tragödie der Armenier erst durch die Romane von zwei deutschen Juden, in beiden Fällen Opfern des Hitler-Regimes, erfahren: Franz Werfels „Die 40 Tage des Musa Dagh“ und Edgar Hilsenraths „Das Märchen vom letzten Gedanken“. (Für Deutschland wäre noch Ralph Giordanos bahnbrechende Filmdokumentation aus dem Jahre 1986 zu nennen.)

Die Vergangenheit wird darin zur Gegenwart, aber nicht als Fetisch, sondern als Menetekel. Ja, das ist streng und ganz und gar nicht kuschlig, denn was gestern geschah, kann sich auch morgen wiederholen, vor anderen Kulissen, mit neuem Vorwänden. Edgar Hilsenrath — übrigens fern davon, ein Verbitterter sein, freundlich-listig funkeln auf den Fotos seine Augen zwischen Baskenmütze und Schnurrbart — zieht seine Leser durch Länder, Städte und Epochen, Deutschland, Polen, Bessarabien, die Türkei, Israel, New York und Berlin, und obwohl er sehr genau weiß, was ein plot ist, bleibt neben der ästhetischen Bereicherung des Lesers eben auch jene permanente Beunruhigung: Das berühmte „leise Unbehagen in der Magengrube“. Einfacher, billiger gar, ist Geschichte nicht zu haben — und auch nicht Literatur.

Lieber Edgar, Dein neuer, gerade erschienener Roman trägt den Titel „Endstation Berlin“, aber vielleicht ist hier ja der Wunsch nicht ganz und gar vermessen, was Dich und Deine Arbeit betrifft, das Wort „Ende“ bis auf weiteres aus dem deutschen Wortschatz zu suspendieren.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen, daß Sie mir so lange zugehört haben. Dir, Edgar, danke ich für Deine Freundschaft und all die Bücher, die Du geschrieben hat — und ganz bestimmt auch noch schreiben wirst.

Rede, gehalten zum 80. Geburtstag Edgar Hilsenraths im Schöneberger Rathaus/ Berlin (9. April 2006)