P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

Dossier: Kafka und die Macht
Eine Nachlese zur Tagung auf Schloß Liblice im Oktober 2008
mit einer Vorrede von Peter Finkelgruen
Sie werden sich erinnern: Die Einladung zu dieser Konferenz hatten wir unseren Mitgliedern auf dieser Webseite zur Verfügung gestellt.
Sie erschien in doppelter Hinsicht vielversprechend zu sein. Sowohl literarisch als auch politisch ein Rückblick auf die beiden
vorangegangen Kafka Konferenzen in jenem Schloss Liblice nahe Prag, die allgemein als Symbol für die Einleitung des Prager Frühlings
und auch als dessen Höhenpunkt gelten.
Die Kafka-Konferenz auf Schloß Liblice, die im Jahre 1963 stattfand, war eine der geistigen Voraussetzungen jenes Aufbruchs, der fünf
Jahre später in den Prager Frühling einmündete. Das Spannungsfeld dieser beiden Daten sollte in dieser Tagung ausgemessen werden, die
sich dem Verhältnis Kafkas zur Macht widmete.
Auf der Konferenz sollte eruiert werden, ob und wie die verschiedenen Blickwinkel von Politikern, Historikern, Philosophen und
Philologen auf diesen Zusammenhang miteinander in Beziehung stehen. Hat Kafka, der größte Experte der Macht (Elias Canetti),
tatsächlich als Kristallisationspunkt einer gegen die autoritären Regimes sich formierenden Bewegung gedient? Und wenn ja, welche
konkreten Auswirkungen hatte dieser Rückbezug? Inwiefern rebellieren Kafkas Texte in sich gegen Repression, und hat seine Analyse
der Machtverhältnisse auch nach dem Zusammenbruch der totalitären Systeme noch Gültigkeit? Gibt es so etwas wie eine Grammatik
der Macht, gegen die Kafkas Werk anschreibt?
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