<h1>Exil–P.E.N.</h1><h2>P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland</h1>

Liste der Ehrenmitglieder

Aufgrund der Geschichte unseres Zentrums, die in ihren frühen Jahren im Wesentlichen von der Emigration und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geprägt war, möchten wir jene Frauen und Männer ganz besonders auszeichnen, die diese Zeit noch selbst erlebt haben und sowohl zur literarischen als auch geschichtlichen Aufarbeitung der Zeit von 1933-45 ganz entscheidend beigetragen haben.


Alfredo Bauer

Alfredo Bauer wurde am 14. November 1924 in Wien geboren. 1939 flüchtet Bauer mit seinen Eltern nach Argentinien, wo er die antifaschistische deutsche Pestalozzi-Schule besucht. Bereits 1944 verfaßte er, angeregt durch den von ihm verehrten Jura Soyfer, Kleinkunststücke für die Theatergruppe des Free Austrian Movement. In deutscher Übersetzung erscheinen drei Bände des monumentalen Werks in der Deutschen Demokratischen Republik. Bauer schreibt auf spanisch und deutsch, übersetzt Werke von Heinrich Heine, Felix Mitterer und Jura Soyfer u. a. ins Spanische, veröffentlicht zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Aufklärungsschriften zur Sexologie und Gynäkologie.



Inge Deutschkron

Portrait von Inge Deutschkron Inge Deutschkron, geboren am 23. August 1922 in Finsterwalde, ist eine deutsch-israelische Journalistin und Autorin jüdischer Herkunft. Sie wurde als Tochter eines sozialdemokratischen Gymnasiallehrers geboren und wechselte 1927 mit der Familie nach Berlin. Der Vater wurde 1933 als Jude aus dem Schuldienst entlassen und floh 1939 nach Großbritannien. Deutschkron und ihrer Mutter gelang die Flucht nicht. 1941 bis 1943 arbeitete sie in der Blindenwerkstatt Otto Weidt in Berlin-Mitte und wurde dort vor der Deportation bewahrt. Ab Januar 1943 lebte sie illegal in Berlin und versteckte sich mit ihrer Mutter bei nichtjüdischen Freunden, um dem Holocaust zu entgehen.



Ralph Giordano

Deutscher Journalist, Schriftsteller und Filmregisseur, geb. als Sohn eines Pianisten und einer Klavierlehrerin am 20. März 1923 in Hamburg-Barmbek. Sein Großvater väterlicherseits war als junger Mann von Sizilien nach Deutschland gekommen. 1940, noch vor Abschluß seiner Abiturzeit, mußte der Siebzehnjährige aufgrund der Nürnberger Gesetze das renommierte humanistische Gymnasium “Johanneum” verlassen. Zusammen mit seiner Familie war er zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. Dreimal verhörte die Gestapo den jugendlichen Giordano, mißhandelte ihn und sperrte ihn ein. Giordano selbst, seine beiden Brüder und die Eltern konnten bis zur Befreiung durch die Briten am 4. Mai 1945 in einem Keller in Hamburg-Alsterdorf überleben, in dem sie sich über mehrere Monate verstecken mußten, als die Deportation der Mutter drohte.



Georges Arthur Goldschmidt

Portrait von Georges Arthur Goldschmidt Der deutsch-französische Schriftsteller, Essayist und Übersetzer Georges-Arthur (Jürgen-Arthur) Goldschmidt wurde am 2. Mai 1928 als Sohn eines jüdischen, zum Protestantismus konvertierten Oberlandesgerichtsrates in Reinbek bei Hamburg geboren. Nach einer behüteten Kindheit in großbürgerlich-hanseatischer Familie schickten ihn die Eltern im Frühjahr 1938 zusammen mit seinem vier Jahre älteren Bruder zum Schutz vor der Judenverfolgung zunächst nach Florenz, wo er bei Professor Paul Biswanger Unterschlupf fand; im März 1939 wurden die beiden in einem Internat bei Annécy in den Hautes-Savoies untergebracht. Sein Bruder war in der Résistance aktiv. Während der deutschen Besetzung Savoyens (1943-44) wurde Goldschmidt von Bergbauern versteckt gehalten, was ihn vor der sicheren Deportation bewahrte. Seine Mutter überlebte die NS-Zeit nicht, der Vater kehrte aus Theresienstadt nach Reinbek zurück, starb jedoch kurze Zeit später. Die Jahre nach der Befreiung verbrachte Goldschmidt in einem jüdischen Waisenhaus in Pontoise bei Paris.



Josef Hahn (†)

Joseph Hahn war einer der letzten Vertreter jener glanzvollen, von den Nazis für immer vernichteten deutsch-jüdischen Kulturepoche, deren berühmtester Exponat Franz Kafka war. Geboren wurde er am 20. Juli 1917 im südböhmischen Bergreichenstein (heute Kasperské Hory. Auf den Vater, der Kunst und Geometrie unterrichtete und mit dem Zionismus liebäugelte, führte Joseph Hahn seine Passion für das Zeichnen zurück. Seiner Mutter, die seit einer schweren Erkrankung im Rollstuhl saß, verdankt er die Liebe zur deutschen Sprache, seiner “Muttersprache” im besten Sinne des Wortes. Nach dem Abitur ging der junge Mann 1935 zum Kunststudium nach Prag; an der Akademie der Bildenden Künste begegnete er Peter Weiss, wie er literarisch und künstlerisch gleichermaßen begabt. Nach dem deutschen Einmarsch in die Tschechoslowakei konnte Peter Weiss 1939 nach Schweden fliehen. Joseph Hahn gelang die Flucht nach England, seine Eltern dagegen starben im Konzentrationslager.



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