Dora Müller
Dipl.-Ing. Dora (eigentlich Theodora) Müller, geb. Schuster, wurde am 9. November 1920 in Neu-Titschein/Novy Jicin in Ostmähren geboren. Infolge
der Wahl ihres Vaters, des Rechtsanwalts Theodor Schuster, zum
Landesvertreter der Sozialdemokratischen Partei in den Mährischen
Landtag im Jahr 1930, Übersiedlung nach Brünn, wo sie noch heute lebt.
Dort Besuch des deutschen humanistischen Masaryk-Gymnasiums. Nach dem
Abitur Studium der Chemie an der Deutschen Technischen Hochschule zu
Brünn, die sie als Dipl-Ing. verließ. Ab 1943 bis 1945: Zunächst als
Chemikerin an der Zuckerfabrik Winschau/Vyskov und anschließend in
Forschungsinstituten in Brünn und Prag tätig.
Nach dem 8. Mai 1945 verblieb die Familie als deutsche Antifaschisten in
Brünn. Durch die sogenannten Benes-Dekrete Aberkennung des an der
Deutschen Techn. Hochschule zu Brünn erworbenen akademischen Grades
eines Dipl. Ing., da dies eine Hochschule im "Protektorat Böhmen und
Mähren" war, sowie Berufsverbot. Als Übersetzerin und Journalistin unter
verschiedenen Pseudonymen tätig. Verheiratet mit dem Arzt MUDr. Franz
Müller, welcher 1975 verstarb. Aus dieser Ehe gingen ein Sohn und zwei
Töchter hervor, welche in Deutschland leben.
Seit vielen Jahren Vorsitzende des Deutschen Kulturverbandes - Region
Brünn, sowie Gründerin und Leiterin des Deutsch-Tschechischen Bildungs-
und Begegnungszentrums Brünn, das auch eine Kinder-Sing- und Spielgruppe
"Die Spielbergspatzen" und eine Jugendgruppe angeschlossen sind.
Mitglied mehrerer Akademien und anderer wissenschaftlicher
Institutionen, Mitglied des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im
Ausland (meine Bürgen beim Eintritt waren Fritz Beer/London und Dr.
Will Schaber/New York). Vortragstätigkeit, Autorenlesungen, rege
Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Medien.
Folgende Ausstellungen habe ich initiiert: "Leo Slesak", "Guido Glück",
"Marie von Ebner-Eschenbach", "Die Goethes und Brünn", sowie die große
Wanderausstellung "Drehscheibe Brünn - Deutsche und österreichische
Emigranten 1933 - 1939", die auch in mehreren Städten in der
Bundesrepublik Deutschland gezeigt wurde.
In Brünn Initiatorin mehrerer zweisprachiger Gedenktafeln, z. B. 1993:
Vor 60 Jahren Bücherverbrennung in Deutschland, 2005: Für den
Sozialdemokraten Dr. Ludwig Czech, der von den Nazis ermordet wurde.
Dora Müller starb am 1. April 2009.
Dora Müller schrieb folgende Bücher:
"Eine Winterreise durch die Brünner Sprachinsel", 1975, Schondorf: BRUNA, 1993.
(mit Pavel Vácha) "Reise durch Böhmen und Mähren", Würzburg: Kraft, 1993.
"Drehscheibe Brünn - Deutsche und Österreichische Emigranten 1933 - 1939" - deutsch/tschechisch 1997, 1999
(Hrsg.) "Národnostní otázka po sto letech 1899-1999" / "Die Nationaliätenfrage nach hundert Jahren", Brno: Nakl. Doplnek, 1999.
(Hrsg.) "Das Riesengebirge in der deutschen Literatur. Mit Hinweisen auf
einige tschechische und polnische Autoren", Brno: Deutscher
Kulturverband Brünn, 2001.
"Ludwig Czech. Eine der größten Gestalten der europäischen,
österreichischen sowie deutschen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung
der ersten tschechoslowakischen Republik", Brno: AVE pro N?mecké
kulturní sdružení v Brn?, 2004.
"Brünner Nationalitätenprogramm vor 100 Jahren" tschechisch/deutsch 1999,
"Mährische Sprachinseln" (deutsche, kroatische, französische, kleinere deutsch-jüdische, sowie Spuren der Wiedertäufer),
"Wanderungen durch Westböhmen und Südmähren",
eine Reihe von Reisebüchern: "Donaureise", "Krimskizzen", "Bulgarien",
"Rumänien", "Italien", "Frankreich", "Spanien", "Portugal",
"Niederlande" und "Deutschland".
In diesen Reisebüchern wurde auch die jeweilige Literatur des Landes,
sowie, so vorhanden, die nationalen Minderheiten behandelt.
Mitarbeit am "Lexikon der Fließ- und Stehgewässer der Tschechoslowakei".
Von meiner Autobiographie liegt nur der 1. Teil, "Kindheit in Neu-Tischein" vor.
Veröffentlichungen in technischen Zeitschriften in Tschechien, so z. B.
über "Kurt Gödel, der Freund Albert Einsteins", 1996, die "Deutsche TH
in Brünn", usw.
Auszeichnungen:
Adalbert-Stifter-Preis (München), Adalbert-Stifter-Medaille (München),
Goethemedaille des Goethe-Instituts Prag, Preis der Stadt Brünn (2005),
"Goldenes Herz für Europa" (2006).