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Was gibt es Neues?


Bassgesang

9. Juni 2012: Neuer Text von Irène Bourquin

Als sie in raschem Schritt die Strasse hinaufging, zwischen zart ergrünenden Gärten, gelb, rosa und weiss blühenden Sträuchern, kam ihr von oben überraschend eine Klangwoge entgegen. Eine tiefe, dunkle Männerstimme sang in einer fremden Sprache. – Verwundert lauschend stieg sie weiter den Hang hinauf, bog nach rechts ab vor der letzten Villa auf der Seeseite, beim mächtigen Baum, in dessen Geäst vor Weihnachten 24 riesige, farbige Kugeln aufgehängt waren. – Der Gesang wurde lauter, es klang wie ein russischer Choral.

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Marko Martin

Schatten der Vergangenheit

Ein Besuch bei Alexander Spiegelblatt, einem der letzten jiddisch schreibenden Bukowina-Autoren, der den Holocaust überlebte

„Auf unseren Herzen liegen Steine“, heißt es in einer seiner Erzählungen, „und die Medizin kennt kein Mittel sie hinabzuwälzen. Das ist schlimmer, mein Freund, als Gallen- oder Nierensteine, die man austreiben kann. Selbst Vegetarier wie du können sie nicht loswerden. Es ist eine jüdische Krankheit, auch wenn die Steine nicht gerade jüdisch sind...´“

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Günter Kunert

25. Mai 2012: Nachruf auf Sigmar Schollak (1930 - 2012)

Obwohl wir wissen, daß wir sterblich sind, können wir uns mit diesem Umstand, mit dieser Ungerechtigkeit nicht abfinden. Das Ungerechte bemerken wir im besonderen Maße, wenn ein guter Freund dahin geht, „von wo keines Wanderers Fuß je zurückgekehrt“. Unser Freund Sigmar Schollak ist diesen unumkehrbaren Weg gegangen. Wir haben uns lange gekannt – seit 1946, man kann sagen, ein Menschenleben lang. Wir beide waren die Übriggebliebenen großer Familien, die dem „Meister aus Deutschland“ erlagen. Nach dem Kriegsende, da wir beide als von Bildung ausgeschlossene dastanden, eine Art „Luftmenschen“, gab es keine beruflichen Möglichkeiten. Ich ging in eine Kunstschule, Schollak studierte Musik. Wir waren beide Ostberliner und blieben es lange Zeit. Er trat als Klarinettist und Saxophonist in Unterhaltungsorchestern auf und begann, nachdem ihn derlei Tätigkeit nicht recht befriedigte, zu schreiben. Bei seinen Themen drehte es sich, wie konnte es anders sein, immer ums Verfolgtwerden, ganz gleich, wo die Geschichten auch spielten. Irgendwann, ich weiß nicht in welchem Jahr, begann er mit Aphorismen. Damit hatte er die ihm gemäße Ausdrucksweise gefunden, witzig und aggressiv, komisch und bedenklich in einem. Der Aphorismus ist wohl eine vergangene Form der Weltspiegelung, Erfolg läßt sich auf diese Weise nicht erreichen. Denn Ironie und Sarkasmus sind in Deutschland seltene Gewächse und die Einwohner andere Kost gewohnt. Einiges von diesen Einfällen und Ausfällen ist erschienen, im Trubel der Bestsellerlisten völlig übersehen und ignoriert. Auch das hat seine letzten Lebensjahre verdunkelt. Zu den körperlichen Leiden traten andere hinzu: Depression, Albträume, Schlaflosigkeit, Melancholie und die zunehmende Erinnerung an seine Toten. Wir sind traurig, weil wir einen Menschen verloren haben, der im ehrenhaftesten Sinne dieses zwielichtigen Wortes einer gewesen ist.

Kaisborstel im Mai 2012



Benjamin Stein

22. Mai 2012: Benjamin Stein zur Fatwa gegen Shahin Najafi

••• Rapper sind böse Buben mit unzimperlichem Vokabular. Das gehört gewissermaßen zum Genre und ist unterdessen schon mainstream-tauglich, wenn man bspw. Eminem heißt und in den USA lebt. Zu einem echten Problem kann es werden, wenn man aus dem Iran stammt und über shiitische Heilige rappt, ein aktuelles CD-Cover mit einer zu einem weiblichen Busen verfremdeten Moschee-Kuppel ziert und damit die Mullahs und insbesondere Ayatollah Lotfollah Safi-Golpayegani erzürnt. In Kreisen dieses Klerus regiert man auf solche Ärgernisse nämlich gern mit einem Aufruf zum Mord. Die Rede ist von Shahin Najafi. Für seine Ermordung wurde ein Blutlohn von US$ 100.00 ausgelobt.

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PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

27. April 2012: 100 Stühle für Liu Xiaobo

Der chinesische Schriftsteller und Menschenrechtler Liu Xiaobo ist, unter anderem wegen der Unterstützung der "Charta '08", nunmehr seit 2008 inhaftiert, 2009 wurde er zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Ende 2010 wurde bekanntgegeben, daß Liu Xiaobo der Friedensnobelpreis verliehen werden sollte. Der chinesische Staat bestellte den norwegischen Botschafter ein, verhängte Hausarrest über seine Frau, Liu Xia, trat eine Pressekampagne los und zur Preisverleihung am 10. Dezember 2010 in Oslo mußte ein leerer Stuhl aufgestellt werden, weil niemand aus Liu Xiaobos Umfeld eine Ausreisegenehmigung erhalten hatte.

Um das Augenmerk auf Liu Xiaobo und viele weitere Dissidenten, die in China Repressalien ausgesetzt, verschwunden, in Haft oder verurteilt sind, weiter zu verstärken, hatte der Internationale PEN eine weltweite Lesung seiner Gedichte für den 20. März 2012 angekündigt...

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