PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
15. September 2011: Neue Texte von Heinrich G. F. Schneeweiss
Heinrich G. F. Schneeweiss hat uns zwei neue Texte zur Verfügung gestellt:
Bali, ein fantastisches Grundstück
Denke ich an das kleine Bali, dann erhebt sich vor meinem geistigen Auge
auch deren größere, benachbarte Schwester, die Insel Java.
Der
Legende nach war Bali in grauer Vorzeit ein göttlicher Zwerg, ein Neffe
des Gottes Wishnu. Dieses allerhöchste Wesen schenkt ihm Edelmut, erhebt
ihn über die Erde und die Unterwelt. Die niederen Götter werden
eifersüchtig, fühlen sich zurückgesetzt, bedrohen den Zwerg. Wishnu hilft dem Geplagten, inkarniert zum sechsten Mal, nun in ihn und
im geheimen, besucht mit seiner Frau Devi die feierliche Opferzeremonie
von Bali, bringt ein goldenes Gefäß mit geheiligtem Wasser mit, reicht
es Balie, wenn dieser sich ihm ergeben nähert. Wishnu erhört sein Opfer,
fordert ihn auf, einen Wunsch auszusprechen. Der kleine Bali nimmt das
Angebot mit Freude an. Er will nur etwas größer sein und ein wenig mehr
Land besitzen, nur so viel, wie er mit drei Schritten durchschreiten
kann. Das gefällt Wishnu.
und
Neues Europa
"Was Schwert und Feder uns ruiniert, das richtet man sich mit der Fiedel“ (Karl Kraus, im Gedicht 'Österreichische Beliebtheit in 'Epigramme') erinnert sich Severin und er ringt mit sich, denn auch er wurde mit der Idee der Ausbreitung der Macht erzogen. Bewaffnete Auseinandersetzungen brachten unsagbares Leid in sein Leben. Noch ist das erst aus dem Widerstand gegen den totalitären Faschismus und Kommunismus aus tiefster Not geborene neue Europa nicht viel mehr als eine wirtschaftliche und geografische Einheit, ein noch unerfüllter Wunschtraum, dem bislang eine Kultur der Solidarität, eine Globalisierung in Solidarität und eine Globalisierung der Solidarität fehlt.