Peter Finkelgruen
16. Februar 2012: Von Fürth nach Lüdinghausen
Zur Lesung von Ruth Weiss am 12. Februar 2012 in Köln
Ist Ruth Weiss Deutsche? Engländerin? Südafrikanerin? Diese Fragestellung prangte auf dem Flyer der die Veranstaltung ankündigte. Wenige Zeilen darunter fand sich die Antwort auf diese Fragen – eine Aussage der Nobelpreisträgerin und ehemaligen Vizepräsidentin des International P.E.N. Nadine Gordimer über ihre Freundin:
Ein Leben, das von zwei der bestimmenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts, dem Faschismus und dem Rassismus.... und dem Höhepunkt allen Rassismus, wie er sich in Südafrika herausbildete, grundsätzlich geprägt und bestimmt wurde, ist schon so etwas wie ein Modell für die condition humaine in unserem Jahrhundert.
So war es nicht verwunderlich, dass die Veranstaltung im Allerweltshaus zu Köln keine der üblichen Lesungen wurde. Vorzüglich moderiert von Birgit Morgenrath, erlebten die 80 Zuhörer einen Rundgang durch die Geschichte an Hand einer Biographie, die einen Bogen schlug zwischen Afrika, England und Deutschland. Von Fürth ausgehend, wo Ruth Weiss gemeinsam mit Henry (Heinz) Kissinger die Schule besuchte, über die Jahrzehnte des Kampfes um die Entkolonialisierung Afrikas und des Kampfes gegen Rassismus in Südafrika, bis hin zu ihrer Übersiedlung nach England.
Die Antworten auf Fragen nach den verschiedenen Etappen ihrer Biographie waren durchsetzt mit kurzen Lesungen aus Romanen, vor allem Meine Schwester Sara, und aus Texten, an denen Ruth Weiss derzeit arbeitet.
Zu der Veranstaltung war Ruth Weiss aus Lüdinghausen gekommen, wo die heute 88-jährige lebt und arbeitet, in Begleitung von Freunden. Bei Ihnen hat sie, die im Alter von 12 Jahren aus Deutschland Geflohene, eine Heimat gefunden.