PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
100 Stühle für Lu Xiaobo
Der chinesische Schriftsteller und Menschenrechtler Liu Xiaobo ist, unter anderem wegen der Unterstützung der "Charta '08", nunmehr seit 2008 inhaftiert, 2009 wurde er zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Ende 2010 wurde bekanntgegeben, daß Liu Xiaobo der Friedensnobelpreis verliehen werden sollte. Der chinesische Staat bestellte den norwegischen Botschafter ein, verhängte Hausarrest über seine Frau, Liu Xia, trat eine Pressekampagne los und zur Preisverleihung am 10. Dezember 2010 in Oslo mußte ein leerer Stuhl aufgestellt werden, weil niemand aus Liu Xiaobos Umfeld eine Ausreisegenehmigung erhalten hatte.
Um das Augenmerk auf Liu Xiaobo und viele weitere Dissidenten, die in China Repressalien ausgesetzt, verschwunden, in Haft oder verurteilt sind, weiter zu verstärken, hatte der Internationale PEN eine weltweite Lesung seiner Gedichte für den 20. März 2012 angekündigt.
Unser Mitglied Esther Dischereit und der Künstlerin Beate Maria Wörz setzten an diesem Tag eine ganz besondere Idee um. Beate Maria Wörz: "Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 in Oslo hatten die Veranstalter einen leeren Stuhl für Liu Xiaobo aufgestellt, da weder er noch Angehörige von ihm zur Preisverleihung aus China hatten ausreisen dürfen.

Zum Jahrestag der Preisverleihung fand nun am 10. Dezember 2011 eine Demonstration mit leeren Stühlen vor der chinesischen Botschaft in Berlin statt, um erneut seine Freilassung zu fordern. Als mein Beitrag dazu zeichnete ich einen leeren Stuhl mit Kreide auf den Boden.

Ich beschloss, insgesamt 100 Stühle für Liu Xiaobo zu zeichnen. Vom 10.–23. Dezember 2011 sind so 100 Stühle an verschiedenen Orten in Berlin aufgetaucht und wieder verschwunden. Im Januar 2012 entschied ich mich, weiterzuzeichnen, an Orten, an denen ich mich aufhalte, durch die ich reise.

Ich möchte den gezeichneten leeren Stuhl gerne als ein ‘Denkzeichen’ etablieren und lade dazu ein, daß dieses Denkzeichen auch von anderen übernommen wird, sie es dort hinterlassen, wo sie sich aufhalten und bewegen."
Utz Rachowski und seine Studenten an der Universität von Gettysburgh organisierten an diesem Tag ebenfalls eine Lesung für Liu Xiaobo:


