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Was gibt es Neues im Zentrum und auf der Website?


Peter Finkelgruen

8. März 2012: P.E.N. im Freiraum - Renate Ahrens

Der Kultursalon Freiraum war war letzte Woche Gastgeber eines durchaus nicht nur literarischen, sondern auch historischen Ereignisses. Das PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland, ehemals deutscher PEN-Club im Exil, eröffnete, erstmals seit dem Ende des 3. Reichs, eine Lesebühne in Deutschland. Die letzte Lesebühne existierte in den achtziger Jahren in London, wo dieses PEN Zentrum damals seinen Sitz hatte.

Eingeleitet wurde der Abend nach der Begrüßung durch Vera Soditt für die Veranstalter, durch einen kurzen Vortrag Von Dr. Karin Clark, ehemals geschäftsführende Sekretärin unseres Zentrums und jahrelange Vorsitzende von Writers in Prison des Internationalen PEN. Sie berichtete dem Publikum von der damaligen Lesebühne in London, wobei der Gastgeber damals der ebenfalls in London ansässige „Club 43“ war. Es war ein Club deutsch-jüdischer Emigranten, die sich jeweils montags im Londoner Norden trafen. Dort wurden Werke der Mitglieder des deutschen PEN im Exil vor interessiertertem Publikum vorgetragen. An diese Tradition anzuschließen, und zwar wieder in Deutschland, hat sich das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland vorgenommen und die Wahl ist auf Köln und den Kultursalon Freiraum in Köln-Sülz gefallen.

Die Mitgliederstruktur dieses PEN-Zentrums hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1934, unter anderem durch Thomas und Heinrich Mann, Oskar Maria Graf, Arnold Zweig und Hubertus Prinz zu Löwenstein geändert. Noch gibt es vereinzelt Mitglieder aus der Gründerzeit, ebenso wie solche, die bereits im Exil geboren sind. Ansonsten spiegelt die Mitgliedschaft die Veränderungen und Brüche in der deutschen Geschichte wider.

Wir haben Mitglieder, die im Ausland leben, schreiben und arbeiten, wie etwa Jakob Arjouni und Katharina Born, aber auch solche aus den Reihen früherer Dissidenten in der DDR, wie den derzeitigen Präsidenten Günter Kunert und Freya Klier, und eine wachsende Anzahl von Mitgliedern, welche die Veränderungen im Deutschland der letzten Jahre widerspiegeln. Abbas Khider aus dem Irak und Dogan Akhanli aus der Türkei belegen, daß sich die moderne deutsche Literatur ändert, offener für neue Ideen und Einflüsse wird.

Die Autorin des Eröffnungsabends war Renate Ahrens, die dem Publikum Auszüge aus ihrem Erfolgsroman „Fremde Schwestern“ vortrug. Die in Irland und Deutschland lebende Autorin erzählt darin die Geschichte zweier sich fremd gegenüberstehenden, ja feindseligen Schwestern, die in schmerzhaften Prozessen sich trennen, begegnen und wieder trennen. Man kann, wenn man will, diesen Roman unter anderem auch als eine Parabel auf die Schwierigkeiten des Zueinanderfindens nach der Entfremdung der Emigration oder der deutschen Teilung deuten.

Ein langes, lebendiges Gespräch mit dem Publikum über Erfahrungen mit dem Schreiben sowie der heutigen Verlagswelt konnte als die Krönung eines guten, literarischen Abends gelten und legte die Grundlage für die Fortsetzung der Lesebühne, zu der sich hoffentlich auch in diesem und in den folgenden Jahren weiterhin bekannte und weniger bekannte Mitglieder des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren einmal pro Quartal im Kultursalon Freiraum einfinden werden.



PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

6. März 2012: Il Presidente

Günter Kunert wird heute 83 Jahre alt. Der Autor und Maler, der zwei deutsche Diktaturen über- und durchlebt hat und den wir zu unser aller Glück als Präsidenten unseres PEN Zentrums deutschsprachiger Schriftsteller gewinnen konnten, ist ein würdiger Nachfolger der Gründer dieses Zentrums. Sie haben es unter geradezu unvorstellbaren Bedingungen gegründet und in den Jahren über die Kontinente getragen, gehegt und gepflegt.

Günter Kunert hat es aus einer Zeit der Krise, die in den Jahren nach der deutschen Vereinigung kulminierte, herausgeführt. Seit er seine Präsidentschaft 2005 antrat, blühte unser PEN Zentrum neu auf. So steht die Mitgliederzahl mittlerweile wieder bei über einhundert, was in etwa dem Stand nach Ende des zweiten Weltkriegs entspricht.

Es gibt nur noch wenige Mitglieder aus jener Zeit. Die heutigen Mitglieder spiegeln den Gang der deutschen Geschichte ebenso wider, wie die Geschichten ihrer Herkunftsländer. Wir sind ein PEN-Zentrum der Migranten und Migrationserfahrenen. Ein PEN Zentrum jener, die aus Deutschland ins Exil gingen ebenso, wie jener, die im Exil geboren wurden, bis hin zu Exilanten, die ihr Exil nach Deutschland verschlug und die hier nunmehr zaghaft ihre Wurzeln schlagen.

Günter Kunert ist kein Präsident der vielen, aber der gewichtigen Worte. Worte, die von Humor, großer Menschlichkeit und Lebenserfahrung zeugen, und wir hoffen, daß er uns noch lange erhalten bleiben wird: in Kaisborstel, schreibend, malend, der deutschen Literatur und seinen Katzen ein allezeit treu ergebener Diener.

Wir präsentieren: der Günter-Kunert-Geburtstagskater



Peter Finkelgruen

28. Februar 2012: Man hat uns nicht gerufen...

Unsere Partnerorganisation, die Else Lasker-Schüler–Gesellschaft veranstaltete am 26. Februar eine Diskussion zum Thema „ Brauchen wir eine Zentrum für verfolgte Künste?“ Eines der Plädoyers hielt Peter Finkelgruen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser letztes Jahr im Alter von 101 Jahren verstorbener langjähriger Präsident Prof. Hans Keilson sagte anlässlich der Präsentation einer Anthologie unseres Zentrums in einer Debatte im Goethe Institut in Amsterdam „die deutsche Literatur – das waren wir“. Er bezog sich auf den deutschen PEN Club im Exil, der mit seinen Mitgliedern für ein anderes besseres Deutschland stand. Die Namen etwa der Brüder Thomas und Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger und Robert Musil stehen für alle Vertreter der deutschen Kultur, deren Werke in Deutschland dem Scheiterhaufen übergeben wurden und die in die Vertreibung gehen mussten, wenn sie nicht dem Schweigen oder der physischen Vernichtung anheim fallen wollten.

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Dogan Akhanli

23. Februar 2012: Ein Besuch bei Ragip Zarakolu, der in Haft ist

Ich war am 6. Februar 2012 auf einem Besuch im Hochsicherheitsgefängnis in Kocaeli, in der Nähe von Istanbul. Durch meine Anwältin, die auch Zarakolu vertritt, stellte ich einen Antrag für eine Besuchserlaubnis beim Justizministerium in Ankara. In Istanbul erfuhr ich, dass mein Antrag genehmigt wurde.

Ragip Zarakolu ist nicht nur der Verleger, der vor 14 Jahren gewagt hat, meine Trilogie „Die verschwundenen Meere“, dessen letzter Band den Genozid an den Armeniern thematisierte, zu veröffentlichen, sondern auch ein kompromissloser Menschenrechtler. Er war der Erste, der seine Stimme gegen meine Festnahme am 10. August 2010 in Istanbul erhob.

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Peter Finkelgruen

16. Februar 2012: Von Fürth nach Lüdinghausen

Ist Ruth Weiss Deutsche? Engländerin? Südafrikanerin? Diese Fragestellung prangte auf dem Flyer der die Veranstaltung ankündigte. Wenige Zeilen darunter fand sich die Antwort auf diese Fragen – eine Aussage der Nobelpreisträgerin und ehemaligen Vizepräsidentin des International P.E.N. Nadine Gordimer über ihre Freundin:

Ein Leben, das von zwei der bestimmenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts, dem Faschismus und dem Rassismus.... und dem Höhepunkt allen Rassismus, wie er sich in Südafrika herausbildete, grundsätzlich geprägt und bestimmt wurde, ist schon so etwas wie ein Modell für die condition humaine in unserem Jahrhundert.

So war es nicht verwunderlich, dass die Veranstaltung im Allerweltshaus zu Köln keine der üblichen Lesungen wurde. Vorzüglich moderiert von Birgit Morgenrath, erlebten die 80 Zuhörer einen Rundgang durch die Geschichte an Hand einer Biographie, die einen Bogen schlug zwischen Afrika, England und Deutschland. Von Fürth ausgehend, wo Ruth Weiss gemeinsam mit Henry (Heinz) Kissinger die Schule besuchte, über die Jahrzehnte des Kampfes um die Entkolonialisierung Afrikas und des Kampfes gegen Rassismus in Südafrika, bis hin zu ihrer Übersiedlung nach England.

Die Antworten auf Fragen nach den verschiedenen Etappen ihrer Biographie waren durchsetzt mit kurzen Lesungen aus Romanen, vor allem Meine Schwester Sara, und aus Texten, an denen Ruth Weiss derzeit arbeitet.

Zu der Veranstaltung war Ruth Weiss aus Lüdinghausen gekommen, wo die heute 88-jährige lebt und arbeitet, in Begleitung von Freunden. Bei Ihnen hat sie, die im Alter von 12 Jahren aus Deutschland Geflohene, eine Heimat gefunden.



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