Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo
Eine Stellungnahme des P.E.N.-Zentrums Deutschland vom 13.10.2010, der wir uns anschließen möchten.
Liu Xiaobo, der diesjährige Friedensnobelpreisträger, dem kurz zuvor auch der Hermann-Kersten-Preis 2010 des P.E.N.-Zentrums Deutschland zugesprochen wurde, wird zu Unrecht und gegen alle politische Vernunft, auch gegen den Willen der ganzen Welt im Gefängnis ausharren müssen und seine Preise nicht entgegennehmen können. China verhält sich, wie es die Sowjetunion gegenüber Boris Pasternak getan hat, der 1958 den Literaturnobelpreis nicht annehmen durfte. Die Volksrepublik, die mit Recht so stolz auf ihre wirtschaftliche und technologische Entwicklung ist, steckt selbst nach den Olympischen Spielen und der Expo in Shanghai auf dem Gebiet der Menschenrechte und der bürgerlichen Freiheit noch in tiefster Zwanghaftigkeit wie Europa und die Welt sie zur Zeit des Stalinismus erlebt haben.
Lius Ehefrau, die Fotografin und Lyrikerin Liu Xia, wird von den Medien ferngehalten und in Sippenhaft genommen, ein Vorgang, den wir in Deutschland aus dem Nationalsozialismus kennen. Die VR China zeigt sich in ihrem Verhalten gegenüber dem Ehepaar Liu als ein zutiefst rückständiges Land, das es gerade wieder zu versäumen scheint, die von den Unterzeichnern der „Charta 08“ geforderte gewaltfreie Reform zu begreifen, die nichts will als eine humane Gesellschaft, „in der man in Würde leben kann“. Für diese friedfertige Minimalbotschaft des Nobelpreisträgers Liu Xiaobos scheint China noch immer nicht reif zu sein. Dies tut uns leid für ein großes Land, das auf vielen Gebieten so ersichtlich bestrebt ist, in der Moderne des 21. Jahrhunderts angekommen zu sein.
Herbert Wiesner
Generalsekretär